Wenn Goethe plötzlich ganz anders klingt, dann ist das ein Indiz dafür, dass das Niederösterreichische Landestheater, dank der Einladung von Frau Prof. Schober, einen echten Literaturklassiker direkt an unsere Schule brachte. Das Team des Klassenzimmertheaters interpretierte am 29. Jänner mit dem Ein-Frau-Theaterstück „Lottes Werther“ Goethes berühmten Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ neu, diesmal aus der weiblichen Perspektive. Dabei wurde die Frage behandelt, wie Lotte die Liebesgeschichte erzählen würde.
Besonders beeindruckte die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8.Klassen die hervorragende Schauspielerin, Marthe Lola Deutschmann, die humorvoll, schlagfertig und äußerst charmant ihrer Figur eine feministische Komponente verlieh und eine unglaubliche Nähe des Stoffes zur heutigen Gedanken- und Gefühlswelt junger Erwachsener herstellte.
Interessant gestaltete sich auch die Nachbesprechung der Inszenierung durch die Vermittlerin des Landestheaters, bei der viele neue Blickwinkel auf Goethes Werk entdeckt wurden und die Diskutierenden bemerkten, wie unterschiedlich man die Dreiecksbeziehung zwischen Lotte, Werther und Albert in Hinblick auf Liebe, Vernunft, Leidenschaft, Obsession, Männlichkeit sowie Weiblichkeit deuten kann.
Dass Literatur äußerst lebendig sein kann – vor allem, wenn sie direkt im „Klassenzimmer“ passiert - zeigte das Theaterstück eindrucksvoll.
Text: Liesa Roithner-Luckinger
Foto: Liesa Roithner-Luckinger