Erasmus
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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Nach vier Monaten in Spanien gibt es eine Menge zu berichten.

Meine Reise führte mich zunächst für 10 Wochen nach Katalonien, wo ich an unserer Erasmus+ Partnerschule in Sarrià de Ter eine Lehr- und Lernmobilität absolvieren durfte. Neben der observación de clase im Fach lengua y literatura castellana und der Mithilfe im Englisch Unterricht, war ich vor allem mit dem Aufbau des neuen Wahlpflichtfaches „Optativa Erasmus“ betraut. Gemeinsam mit meiner Kollegin Laura Cullell erarbeiteten wir eine  Jahresplanung, um den Schüler:innen die Prioritäten und Werte von Erasmus+ auf praktische Weise näherzubringen und sie außerdem ideal auf die bevorstehende Mobilität nach Amsterdam vorzubereiten. Abschluss des ersten Trimesters war ein kleiner Film, in dem sich die Schülerinnen und Schüler in den 24 offiziellen Sprachen der EU vorstellten. Neben viel Spaß mit den unterschiedlichen Sprachen und ihren Herausforderungen wurde sich die Gruppe der Diversität der europäischen Sprachen bewusst.

Was hat mir an der Schule gefallen? Welche Unterschiede zu Österreich habe ich festgestellt? Welche vorgefasste Meinung musste ich revidieren? Was habe ich dazugelernt?

Das Instituto Ticeris ist eine relativ junge Schule. Sie besteht erst seit 9 Jahren und befindet sich nach wie vor im Aufbau. Das bedeutet, dass laufend neue „módulos“, das sind neue Klassenzimmer, die bereits fix und fertig geliefert werden, an das Schulgebäude angebaut werden und auch ständig neue Lehrerinnen und Lehrer dazukommen. Schüler:innen und Lehrer:innen duzen sich und gehen freundlich, aber mit viel Respekt, miteinander um. Auf Disziplin wird großer Wert gelegt und wer sich nicht an die Regeln hält, bekommt eine „incidencia“ verhängt, das heißt, man muss den Unterricht verlassen und alleine bereits vorbereitete Aufgaben erledigen. Die Eltern werden über das Fehlverhalten der Kinder informiert, und wer zu viele incidencias angesammelt hat, muss am Nachmittag in die Schule kommen und dort gemeinnützige Arbeit verrichten.

Besonders beeindruckt hat mich der „plan lector“. Jeden Tag wird eine halbe Stunde gelesen. In den unteren Klassen besteht dabei eine freie Wahl des Buches, und in den beiden bachillerato Klassen (die spanische Oberstufe) wird von der Literaturliste ausgewählt, die das Ministerium für die Selectividad (die spanische Matura) vorgeschrieben hat. Und in diesen 30 Minuten lesen wirklich alle, auch die Lehrer. Nicht umsonst ist mit San Jordi, der Patron Kataloniens, das Fest des Buches verbunden. Am katalanischen Valentinstag, dem 23. April, schenkt man seinen Lieben eine Rose und ein Buch. Eine sehr schöne Tradition.

Eine andere Besonderheit, die ich sofort an unserer Schule einführen würde, ist die Pausenglocke. Es läutet nämlich keine Glocke, sondern es wird Musik gespielt. Da waren katalanische Songs, internationale Popsongs, Weihnachtslieder, … zu hören. Gute Laune und Motivation für den Tag, die Pause oder auch für den Heimweg war damit garantiert.

Ich habe auch etwas entdeckt, das mich an zuhause erinnert hat: el grupo del sofá. Albert Bayot, der Direktor der Schule, war nach seinem Besuch an unserer Schule von unserer Sofagruppe so inspiriert, dass er einen Raum seiner Schule mit Sofa, Kaffeemaschine, Mikrowelle und Kühlschränken ausgestattet hat. Dort treffen sich die Lehrer:innen in der Pause, die übrigens eine halbe Stunde (tatsächlich 30 Minuten!!!!, wie wunderbar) dauert. Es wird gelacht, getratscht und Kaffee getrunken, genau wie bei uns zuhause. In diesen lustige Runden habe ich auch ein paar Brocken Katalanisch gelernt.

Cataluña hatte für mich aber noch viel mehr, als neue Schulerfahrungen zu bieten. Die Katalanen sind ein leidenschaftliches Volk, das seine Kultur lebt, seine Feste intensiv feiert, seine Küche genießt und seine Landschaften erforscht. Hier gibt es Meer und Küste, weite Ebenen mit Oliven und Wein, hohe Berge und tiefe Schluchten, erloschene Vulkane.

Die Katalanen sind ein  Volk, das stolz auf seine Vergangenheit ist. Man findet eine Gesellschaft, die sich für die Erhaltung ihrer Traditionen einsetzt, auch wenn man diese nicht bedingungslos mit jedem teilen möchte und sie deshalb auf Momente legt, wenn Touristen außer Landes sind. Da befanden wir uns zur richtigen Zeit am richtigen Ort und durften auf zahlreichen Festas Majors Correfocs, Castellers, Tronadas, Sardanas, Trinxat und Co kennenlernen.

Allem voran liebt der Katalane seine eigene Sprache und er ist stets um deren Erhaltung bemüht. Das Bedürfnis nach Abgrenzung vom restlichen Spanien äußert sich an den vielen Cataluña Fahnen, die an Häusern, in Geschäften, auf Berggipfeln und sogar auf Kirchtürmen wehen.

Und so war es im November für mich an der Zeit weiterzuziehen. In den Süden, nach Andalusien, ins schöne Sevilla. Denn: ¡Sevilla tiene un color especial!, aber nicht ohne auf dem Weg Don Quijote und seinen Windmühlen einen Besuch abzustatten.

Colorín colorado, este cuento aún no está acabado….  ¡Hasta luego!

Text und Fotos: Susanne Rösslhuber