Bericht von Anna-Lena Buchleitner und Sarah Witzmann

Tag 1: Anreise Konzentrationslager Auschwitz, Weiterfahrt nach Krakau

Pünktlich um 8 Uhr morgens am 4. Oktober begann unsere Polenreise mit der Abfahrt vom Gymnasium Horn. Gut gelaunt – aber noch ein wenig verschlafen – stellten wir uns auf die etwa siebenstündige Reise Richtung Polen ein. Kaum 50 km zurückgelegt stießen wir bereits in Znaim, kurz nach der tschechischen Grenze, auf das erste Hindernis. Unser Buschauffeur hatte große Probleme die Bo-Box, die nach dem Grenzübergang bei einer bestimmten Tankstelle abgeholt werden muss und die Fahrdaten aufzeichnet, aufzufinden. Auch nachdem wir die tschechisch-polnische Grenze überquert hatten, konnte die  Go-Box erst nach einigen gescheiterten Versuchen gefunden werden, was unsere geplante Reisedauer natürlich deutlich verlängerte. Dennoch ließen wir uns dadurch nicht den Spaß an unserer letzten gemeinsamen Klassenreise nehmen: Mit unseren mitgebrachten Nintendos wurden so einige Mario-Kart-Rennen gefahren und beim Werwolf-Spielen so manche unschuldige Bauern oder gar das Liebespaar gerissen. Zwischendurch vernaschten wir unsere - bei diversen tschechischen Tankstellen günstig gekauften - Süßigkeiten und Soft-Drinks. Im Großen und Ganzen also eine durchaus entspannte und lustige Anreise.

Mit einer Stunde Verspätung kamen wir schließlich kurz nach drei Uhr in der Gedenkstätte Auschwitz an, wo unsere deutschsprachige Reiseführerin bereits auf uns wartete. Nach einem schnellen Sicherheitscheck begann schließlich unsere Führung im Stammlager des KZ Auschwitz, welches heute als Gedenkstätte und Museum genutzt wird. In möglichst sachlicher Art und Weise wurden uns nun die wichtigsten Gebäude und Plätze gezeigt und erklärt, sowie über das Leben und Sterben der Häftlinge erzählt. Nachdem wir durch das Eingangstor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ geschritten waren, besichtigten wir unter anderem ehemalige Häftlingsunterkünfte, die nun eine Ausstellung beherbergen. Direkt konfrontiert mit den Zeugnissen des Holocausts gerieten wir natürlich ein wenig in bedrückte Stimmung – vor allem die Fotos inklusive Lebensdaten der Häftlinge, die oft nur einige Tage in Auschwitz überlebten, sowie die Haare und das Gewand der getöteten Gefangenen führten uns die Ausmaße und Schrecken des Nationalsozialismus bildlich vor Augen. Im weiteren Verlauf der Führung wurden uns die Gaskammer, das Krematorium, die Todesmauer und verschiedene Gefängniszellen gezeigt.

Vom Eintreffen erster Häftlinge im KZ Auschwitz am 20. Mai 1940 bis zur Befreiung des Lagers durch die Alliierten am 27. Januar 1945 wurden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen auf grausamste Weise durch die Nationalsozialisten ermordet. Uns Schülerinnen und Schülern wurde auf sehr beeindruckende Weise klar, dass das Vergangene zwar nicht geändert werden kann, wir mit unserem gegenwärtigen Handeln jedoch versuchen können, dass solche Grausamkeiten nie wieder passieren und es null Toleranz gegenüber rassistischem Verhalten, kollektiver Gewalt und Faschismus in unserer Gesellschaft gibt.

Im Anschluss an die Führung im KZ Auschwitz fuhren wir die kurze Strecke zum Lager Birkenau. Das regnerische Wetter verstärkte, wie auch schon in Auschwitz, die gedrückte Stimmung. Aufgrund der kühlen Temperaturen gingen wir Birkenau nicht zu Fuß ab, sondern bestiegen einen Aussichtsturm, der ein Teil des Einfahrtsgebäudes darstellte und unter anderem zur Überwachung diente. Von hier aus hatte man einen guten Überblick über das gesamte Areal, dessen Holzbaracken bzw. deren Ruinen beinahe bis zum Horizont reichten. Die Größe des Vernichtungslagers kommt von hier aus besonders eindrucksvoll und schockierend zu Bewusstsein. Vom Eingangsturm gingen wir etliche Hütten entlang bis zu einer rekonstruierten Holzbaracke, die zeigte, wie die Gefangenen leben mussten. Geschlafen wurde in dreistöckigen Holzbetten. Ganz unten musste man befürchten, von den Ratten gebissen zu werden, oben schneite oder regnete es oft durch die löchrige Decke – um die mittleren Plätze stritt man sich also besonders. Nachdem wir noch umfassende Informationen zu den Baracken erhalten hatten, besichtigten wir noch die Sanitäranlagen. In langen Reihen waren die Toiletten aufgestellt – Steinbänke mit Löchern – ohne Sichtschutz oder Abgrenzung, nur wenige Waschbecken, von Duschen ganz zu schweigen. Wie erniedrigend dies gewesen sein musste, ist für unsere gewohnten Verhältnisse nur schwer vorstellbar. Weiters litten die Häftlinge unter derartigem Wassermangel, dass sie teilweise aus Pfützen tranken, was zu Krankheiten und Lebensmittelvergiftungen führte.

Abschließend wurde uns noch über die Geschichte des Museums erzählt, welches seit 2. Juli 1947 geöffnet ist. Es steht durchgängig unter der Führung ehemaliger Opfer des Nationalsozialismus und wurde seither von über 25 Millionen Besuchern besichtigt.

Tag 2: Stadtführung Krakau

Am Morgen des fünften Oktobers hatten wir erstmals das Vergnügen, das deftige Frühstück im Hotel Piast genießen zu dürfen. Nach Schinken, Bratwurst, Müsli und/oder Gebäck ging es sofort zur Straßenbahnstation, die nicht allzu weit vom Hotel entfernt war. Etwa eine halbe Stunde später fanden wir uns dann auf dem Krakauer Marktplatz wieder, dem Zentrum der Krakauer Altstadt. Dort trafen wir unseren Tourguide, der uns im Laufe dieses Tages die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeigen sollte. Doch zunächst bekam jeder ein kleines Gerät mit Kopfhörern. Dank dieser Ausstattung hatte jeder Teilnehmer zu jeder Zeit und an jedem Ort den unaufhörlichen, aber dennoch angenehmen Plauderton des Guides im Ohr, der nicht müde wurde, die interessierten Zuhörer mit Informationen zu versorgen. Unser Weg führte uns unter anderem durch die Krakauer Tuchhallen. Wie der Name schon vermuten lässt, dienten sie vor allem dem Handel mit Stoffen, einer der wichtigsten Handelswaren in der Vergangenheit dieser Stadt. Heute werden hier Souvenirs wie zum Beispiel Bernsteinschmuck oder traditionelle Schnitzereien angeboten. Danach besuchten wir die Franziskanerkirche mit der, für die Zeit ihrer Erbauung überaus modernen Gestaltung. Für Staunen sorgte auch der wunderschöne Innenhof des „Collegium Maius“, welches das älteste Gebäude der Universität in Krakau ist. Nach einer kurzen Besichtigung des Papstfensters wurden wir in die Mittagspause entlassen, um uns eigenständig „auf Nahrungssuche“ zu begeben. Egal in welche Restaurants und Imbisse es dabei ging, für die meisten endete diese Pause entweder bei Starbucks oder in einem Costa-Café bei einem wärmenden Kaffee oder Tee.  Wie durch ein Wunder fanden sich fast alle rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt ein und unser Guide führte uns heiteren Gemütes zum Wawelhügel, auf dem sich unter anderem die Wawel-Kathedrale und das Wawelschloss befinden. Zunächst widmeten wir unsere Aufmerksamkeit der Kathedrale, welche als polnisches Nationalheiligtum gilt. Hier liegen nicht nur viele polnische Könige, sondern auch etliche Geistliche sowie polnische Künstler und Nationalhelden begraben. Beim Schloss angekommen versuchte unser Guide uns von einer Stärkung der spirituellen Kräfte beim Chakra-Stein im Schlossinnenhof zu überzeugen. Nach einer weiteren Pause, die wir entweder auf der Suche nach Souvenirs oder abermals im einen oder anderen Café verbrachten, marschierte die Klasse zum gemeinsamen Abendessen ins Restaurant Dorota. Nicht nur die traditionelle polnische Küche, die an jenem Abend von süßen Pierogi über deftiges Gulasch bis hin zu herzhaften Kartoffelpuffern alles zu bieten hatte, überzeugte uns vom erfolgreichen Ausklang dieses Tages, es waren vor allem die rhythmischen polnischen Lieder, von unserem Guide auf der Gitarre begleitet, die beinahe jeden zum Mitsingen bewegten und die Stimmung in dem ohnehin schon gemütlichen Ambiente noch mehr hoben.  

Tag 3: Krakauer Ghetto und Heimfahrt

Abermals ging es nach dem Frühstück mit der Straßenbahn vom Hotel aus an unser Ziel, welches an diesem Tag das Krakauer Ghetto war. Am „Platz der Ghettohelden“ trafen wir Eva, unsere Fremdenführerin, die unserem Stadtführer von Tag 2 jedoch bezüglich Freundlichkeit und Engagement in Nichts nachstand und uns ebenfalls mit den Geräten und praktischen Kopfhörern ausrüstete. Allein zu unserem Treffpunkt gab es bereits viel zu sagen: Am „Platz der Ghettohelden“ fallen dem Besucher sofort 70 unbesetzte Stühle auf. Sie sind ein Mahnmal, welches an die aus dem Ghetto deportierten Juden erinnern soll, deren einzige Hinterlassenschaften ihre Möbel waren. Der Platz an sich erlangte traurige Berühmtheit, da er für die Juden zur Zeit der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten nicht nur einen wichtigen sozialen Mittelpunkt darstellte, sondern auch als Umschlagsplatz diente, von dem tausende Juden in Züge getrieben oder getötet wurden. Für uns ging es vorbei an der Ghettomauer hin zur Schindler-Fabrik. Es blieb zwar leider keine Zeit, das Schindler-Museum zu besuchen, doch dank unserer Stadtführerin blieben uns die wichtigsten Informationen trotzdem nicht vorenthalten. Nach der Besichtigung des Stadtteils Kazimierz sowie einer Synagoge wurden die Schüler ein weiteres Mal auf „Nahrungssuche“ geschickt. Etwa eine Stunde später machte sich die Klasse wieder auf den Weg in Richtung Straßenbahnstation und zurück zum Hotel Piast. Nach der Verstauung der Koffer im Autobus ging es wieder zurück in die Heimat. Die Rückfahrt dauerte verhältnismäßig kurz. Nur wenige „Werwolf-Runden“ und Raststätten später kam die ganze Klasse unversehrt und voll von neuen Eindrücken in Horn an. Diese Reise wird uns allen wohl noch lange in Erinnerung bleiben.  (4.-6. 10. 2017)